Noch ohne Titel · 27 / 30
Zwei Füße

Menschen haben zwei Füße,Vögel haben auch zwei Füße.
Doch Menschen übergeben ihre Füße dem Boden,Vögel übergeben sie dem Himmel.
Von klein auf lernen wir, richtig zu stehen,gerade zu gehen,nicht zu fallen,ein ganzes Leben zu einem Weg zu faltenund dann der Menge entlang zu laufen.
Ein Vogel kommt herunter,nur um wieder aufzusteigen;sitzt er auf einem Ast,ist es auch, als hätte er den Himmelfür einen Moment gut verstaut.
Ob man fliegen kann,liegt also nicht an den Füßen.Manche Körperhat der Wind bei der Geburt gekennzeichnet;manche Seelenhaben ihre Flügel zu früh zusammengelegtund deshalb die Erde für einen Halt gehalten.
So nähen wir Sicherheitin die Schuhsohlen,erklären die Fernezu etwas vage Unwirklichemund nennen jedes Aufschauenmit einem neuen Namen:wirklichkeitsferne Jugend.
Doch ich möchte noch immer wissen:Wenn Vögel mit zwei Füßen abspringen können,warum können Menschen nichtaus dem Gewicht eines ganzen Lebensfür eine Sekunde leise heraustreten?
Vielleicht heißt Fliegennicht, die Erdoberfläche zu verlassen,sondern dass ich, wenn das Schicksal mich niederdrückt,noch immer bereit bin——nach oben,zum Licht,zum Unerreichbaren,ein winziges Stück höher heranzurücken.